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Schleier

25. Juli 2019 Kein Kommentar

Schleier

25. Juli 2019 Katharina 3 Min. Lesezeit Kein Kommentar

Giselles Spiel

Giselle, Sophie Ploeg, © Sophie Ploeg

Sie wird von einem dunklen Raum umgeben und sitzt in seiner Mitte. Sie trägt ein weißes, ausladendes Kleid. Dazu gehört ein bestickter Schleier, der über ihren Kopf gelegt ist. Wir können ihr Gesicht nicht sehen, schemenhaft meinen wir, dass sie uns durch den Schleier anblickt. Das ist ‚Giselle‘. Die Künstlerin des Bildes ist Sophie Ploeg.

In unserem Interview sprechen wir über die Verbindung zwischen Mode und Identität. Sophie Ploeg meint, dass Menschen schon immer mit ihrer Kleidung etwas über sich ausgesagt haben. Wenn wir mehr über die Personen in Porträts aus dem 17. Jahrhunderts wissen wollen, müssten wir uns ihre Kleidung ansehen. Und das habe sich bis heute nicht geändert. Über unsere Kleidung, die Mode, identifizieren wir uns und zeigen das nach außen hin.

Deshalb haben wir für die ausgestellten Bilderserien auf Instagram (artstories.blog) auch den Titel ‚This is me: Never out of Fashion‘ gewählt. Denn: Ich bin, was ich trage. Und was ich trage, hängt oftmals mit einer Vergangenheit zusammen, einer allgemeinen Modetradition oder meiner persönlichen Erinnerungswelt. So wie immer wieder aufkommende Modetrends oder ein von der Großmutter vererbtes Tuch mit Spitze, das in einem Remake zu jedem Kleid passt.

Was können wir über ‚Giselle‘ sagen? Warum trägt sie den Schleier? Durch ihn wirkt sie zuerst von uns entrückt. Schüchtern, verängstigt, so als ob sie sich gerne verstecken möchte. Wie ein Kind, das sich eine Höhle baut. Doch dann sind da wieder ihr auffallendes weißes Kleid, ihr direkter Blick durch den Schleier auf uns. Sie versteckt sich und zugleich blickt sie aus dem Versteck hervor. Fast spielt sie mit uns. Und der Schleier hilft ihr dabei. Mit seinen Stickereien ist er traditionell, er könnte zu einem Frauenporträt aus dem 17. Jahrhundert gehören, von denen Sophie Ploeg gesprochen hat.

Aber hier gehört der Schleier nicht nur zu der Mode der Frau, er ist Teil des Spiels. Ein Spiel aus Bedecken und Hervorkommen. Das kennen wir auch selber. Wir wählen solch eine Kleidung, wenn wir auf eine bestimmte Weise wirken möchten: unnahbar, geheimnisvoll und doch selbstsicher genug, um nicht völlig unsichtbar zu sein. Und vielleicht nehmen wir dafür ein Kleidungsstück oder Accessoire, das auch früher verwendet wurde, nun aber von uns neu eingesetzt wird.

Gefallene Blätter, Sophie Ploeg, © Sophie Ploeg

Bühne frei

In dem Bild ‚Gefallene Blätter‘ von Sophie Ploeg gibt es kein Spiel, hier wird gewartet. Die Frau unter dem Schleier verharrt in ihrer Bewegung. Was fehlt? Der Schleier über ihr, wieder ein besticktes Modell aus einer früheren Zeit, muss gehoben werden.

Die Frau verrät uns mit dem Schleier, ich bewege mich gerne, ich bin geduldig, aber ich muss mich von dem Vorhang befreien um loszulegen. Wir warten gemeinsam mit ihr darauf, dass sie ihren Tanz beginnt. Hier wird der Schleier zu einem Vorhang. Kennen wir das nicht auch? Wir müssen uns eines Kleidungsstücks entledigen, damit wir beginnen können, mit einem Tanz, mit dem Wohlfühlen.

Sophie Ploeg wünscht sich, dass Stoffe sprechen können. In diesen beiden Bildern sprechen der Schleier und die dargestellten Frauen zu uns. Der Schleier als traditionelles Kleidungsstück gehört zu ihrem Spiel, ist Teil ihrer Inszenierung. Er soll bleiben oder muss entfernt werden. Aber in beiden Fällen sagen die Frauen mit ihm: This is me. Sophie Ploegs Bilder regen uns dazu an zu fragen, haben wir auch etwas wie diesen Schleier, mit dem wir sagen können: This is me?

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