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‚Die Materialien sprechen zu mir‘ – Suzanne Jongmans

12. August 2019 Kein Kommentar

‚Die Materialien sprechen zu mir‘ – Suzanne Jongmans

12. August 2019 Katharina 3 Min. Lesezeit Kein Kommentar

Trefft Suzanne Jongmans. Im Interview sprechen wir darüber, wie Suzanne zur Kunst fand, über die Geschichten hinter den Materialien und der ruhigen Stimmung in ihren Fotografien.

Katharina: Liebe Suzanne, in Deinen Fotografien begegnen uns Frauen, die aus einer früheren Zeit zu stammen scheinen. Aber bevor wir über sie sprechen, möchten wir gerne über Deine ‚frühere Zeit‘ sprechen. Gab es einen bestimmten Augenblick, als Du dachtest: Ich möchte Künstlerin werden?

Suzanne: Seit ich ein Kind bin, habe ich gerne Dinge erschaffen. Als ich an der Kunsthochschule studierte, hatte ich allerdings keinen Plan. Es war erst nachdem ich mein erstes Werk verkaufte, dass ich merkte, ich kann mir als Künstlerin meinen Lebensunterhalt verdienen.

Katharina: Es war also eher ein Prozess, in dem Du merktest, dass Du als Künstlerin arbeiten kannst. Und am Ende dieses Prozesses hast Du die Fotografie als Dein ‚Medium‘ gewählt. Wie kam es dazu?

Suzanne: Auf der Kunsthochschule verwendete ich verschiedene Materialien in meinen Installationen. Auch Fotografie gehörte dazu. Eines Tages fragte mich ein Dozent für Fotografie, ob ich nicht sein Seminar besuchen möchte. Denn ihm war mein ’scharfes Auge‘ aufgefallen. So kam es, das ich in Textil und Fotografie meinen Abschluss machte.

Katharina: Ich finde auch, wir sehen in Deiner Kunst Dein ’scharfes Auge‘ – wenn Du Menschen porträtierst als auch bei der Stimmung in den Bildern. Sie ist von einer großen Ruhe geprägt, manchmal fast ein bisschen andächtig. Wie erschaffst Du diese Stimmung?

Suzanne: Das ist ein Zustand, in dem ich selber gerne bin. Nachdenken, würdigen. Ich mache hunderte von Bildern und setze sie dann zu einem Bild zusammen. Das dauert einige Zeit. Das Model vergisst mich nach einiger Zeit. Dann entsteht die Ruhe.

Katharina: Es ist faszinierend, wie die ruhige Stimmung in Deinen Fotografien auch auf uns als Betrachter übergeht. Wenn ich Deine Bilder ansehe, werde ich innerlich sehr ruhig. Und ich fühle Deine Bilder auch sehr nah. Vielleicht hat das etwas mit den Materialien zu tun? Du verwendest verschiedene Materialien, was bedeuten sie Dir?

Suzanne: Alle Materialien sprechen zu mir. Das können zum Beispiel ‚Müll-Materialien‘ sein, so wie Plastik und Schaumstoff. Jedes Material hat eine Geschichte: verwendet, weggeworfen und wiedergefunden. So wie Dinge, die ich in der Natur finde, getrocknete Blätter, Moos. All diese Materialien haben einen eigenen symbolischen Wert.

Katharina: Ich denke, dass Du in einer sehr einfühlsamen Weise die Geschichten dieser Materialien erzählst. Wir reisen durch die Zeiten, in die Vergangenheit und zurück in die Gegenwart. So auch bei den dargestellten Frauen, die ich am Anfang erwähnte. Weshalb kommen sie aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart?

Suzanne: Die Zeit, auf die ich mich mit den Frauen beziehe, war eine ruhigere Zeit. Keine Telefone, kein Fernsehen, keine Geschäfte. Dinge wurden selbstgemacht. Wir kennen diese Zeit, ohne in ihr gelebt zu haben. Du fühlst die Ruhe der porträtierten Person. Für mich ist dies der Moment, wenn die guten Ideen geboren werden. Inspiration kommt, wenn wir zur Ruhe gelangen. Wir brauchen diese Momente mehr denn je, bei all dem Input von außen.

Katharina: Liebe Suzanne, es war eine Freude mit Dir zu sprechen. Deine Fotografien und Gedanken haben mich angenehm ruhig und glücklich gestimmt. Wenn ihr mehr von Suzannes Kunst sehen möchtet, besucht ihre Webseite, suzannejongmans.nl, oder die Webseite der Galerie Wilms, galeriewilms.nl.

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