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Ed Fairburn’s Karten

13. September 2019

Ed Fairburn’s Karten

13. September 2019 Katharina 3 Min. Lesezeit

Wir können uns vor ein Bild stellen und überlegen, ob es uns gefällt oder nicht. Und wir können uns vor ein Bild stellen und überlegen, was es uns sagen möchte, welche ‚Geschichte‘ / ArtStory es uns erzählt. Dabei kann es helfen, wenn wir uns an einigen Fragen orientieren:

  1. Was sehen wir?
  2. Wie sind die Dinge auf dem Bild angeordnet?
  3. Was könnte die Botschaft des Bildes sein?
  4. Was fühle ich, wenn ich das Bild ansehe?

Mit den Antworten auf diese Fragen gelangen wir dann zu unserer ArtStory.

Was sehen wir?

Auf dem Bild ‚San Juan Mountain‘ sehen wir erstmal viele schwarze Linien. Die beiden Stifte verraten uns, dass Ed Fairburn diese Linien nachgezeichnet hat. An den Rändern des Bildes erkennen wir dann, welche Linien er übermalt hat. Es sind Linien einer Karte. Und wenn wir uns dann den linken Teil des Bildes ansehen, dann wissen wir, wozu diese schwarzen Linien gehören. Sie stellen die Haare der Frau dar. Auch ihr Gesicht besteht aus feinen schwarzen Linien. Wir können also sagen: Wir sehen eine Karte, auf der Ed Fairburn mit schwarzer Farbe das Porträt einer Frau eingezeichnet hat.

Wie sind die Dinge auf dem Bild angeordnet?

Die zweite Frage wird konkreter. Denn wie wir schon bemerkt haben, hat Ed Fairburn das Frauenporträt nicht wahllos auf die Karte aufgetragen. Er hat es mit den Kartenlinien gezeichnet. Indem das Frauenporträt aus der Karte ‚gemacht‘ ist, ergibt sich folgender Eindruck: Die Frau ist ein Teil der Karte.

Was ist die Botschaft des Bildes?

Nun kommt die Frage nach der Botschaft des Bildes. Wenn wir sie hören, sind wir vielleicht erst einmal etwas ratlos. Aber da wir die anderen beiden Fragen schon beantwortet haben, sind wir viel näher an der Antwort, als wir vielleicht denken.

Wir haben gesehen, dass die Frau aus den Linien der Karten ‚geformt‘ ist. Sie ist ein Teil dieser Karte. Wenn wir an gewöhnliche Karten denken, so sind wir Menschen auf ihnen nie zu sehen. Ed Fairburn fügt die Frau, uns Menschen, nun in die Karte ein. Eine Botschaft könnte sein, dass zu jeder Karte, zu jeder Stadt oder Landschaft auch die Menschen gehören, die dort leben. Wir sind Teil dieser Topographie. Und da die Frau die Augen geschlossen hat, könnten wir noch einen Schritt weiter gehen. Wir, mit unseren Gedanken und Träumen, gehören zu den Orte, an denen wir leben.

Was fühle ich, wenn ich das Bild ansehe?

Wenn wir uns nun die letzte Frage stellen, was wir bei dem Bild fühlen, sind wir schon sehr weit gekommen. Aber eigene Gefühle auszudrücken, kann auch schwierig sein. Vielleicht beginnen wir daher erst einmal damit zu überlegen, wie das Bild auf uns wirkt. Verstört es uns oder schreckt es uns ab? Das eher nicht. Durch die schwarzen Linien wirkt das Bild unruhig, aber die geschlossenen Augen der Frau, ihr ruhiger Gesichtsausdruck wirken dagegen.

Je länger wir das Bild ansehen, desto ruhiger werden wir. Vielleicht fühlen wir sogar, dass wir uns wie die Frau fallenlassen können. Denken wir an unsere Heimat, an unsere Karte, wir gehören zu ihr. Wenn wir das Bild ansehen fühlen wir: Ruhe, Gelassenheit, Geborgenheit. Es sind diese Gefühle, die wir empfinden, wenn wir an Zuhause denken, und daran erinnert uns das Bild von Ed Fairburn.

Am Ende haben wir dann unsere Geschichte, unsere ArtStory. Sie handelt von uns und unserer Zugehörigkeit zu unserem Zuhause. Abhängig von unseren Gefühlen handelt die Geschichte davon, wie verbunden wir uns mit unserem Zuhause fühlen und wie sehr wir ein Teil von der eigenen Karte sein möchten.

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